Ich fühle mich, als wäre ich auf einer Sandbank aufgelaufen. Ich liege da und unternehme keine Anstrengungen aus dem seichten Wasser wieder heraus zu kommen. Ich weiss zwar, dass Gott auch hier mit mir ist, aber den Weg zurück ins offene, tiefe Meer suche ich trotzdem nicht. So habe ich wenig Kontakt mit Gott, bete selten und so etwas wie Stille Zeit ist schon lange weggefallen, denn diesen Start in den Tag verschlafe ich. Ich habe keine Energie in tiefere Gewässer, in die tiefe Beziehung zu Gott, zu schwimmen. Ich lasse meine Beziehung zu Gott einfach so dahin plätschern. Dabei spüre ich, wie die inneren Ansprüche “was man denn als gute Christin machen müsste” sich Gehör verschaffen wollen. Ich sollte mich doch wenigstens in seine Richtung bewegen. Ich schäme mich, weil ich nicht einmal den Wunsch verspüre, Zeit mit Gott zu verbringen. Aber ich bin auch gefrustet, weil so manch euphorischer Start für mehr Zeit mit Gott und sein Einbinden in den Alltag nicht gelingt. Ich hadere mit mir selbst und frage mich, ob dieses Fern-sein von Gott ok ist. “So komme ich doch nicht weiter”, denke ich. Ich wünsche mir in meinem Alltag kleine und grosse Gottesbegegnungen. Ich wünsche mir, dass ich auf die Stimme des Heiligen Geistes hören kann und ihr in meinem Alltag folge. Doch stattdessen stecke ich auf dieser Sandbank fest und höre vor allem die vielen To Do’s in meinem Kopf. Meine Kapazität und die unserer Familie ist am Limit. Ich schaffe es knapp den Haushalt zu stemmen, Alltag mit unseren zwei Kindern zu gestalten und mein Arbeitspensum zu meistern. Doch die Beziehung zu Gott bleibt gerade auf der Strecke.

So dümple ich mehrere Wochen vor mich hin. Irgendwann merke ich, dass ich in dieser Phase nicht einfach aufs Sofa sitzen und die Bibel aufschlagen kann. Ich brauche etwas anderes, eine andere Art der Begegnung mit Gott. Ich versuche, auf die vielen Learnings meiner langen Reise mit Gott zurückzugreifen und realisiere: Ich muss mir Raum und Ort schaffen, ein Momentum, in dem ich wieder bei Gott andocken kann. So räume ich mir zwei Stunden frei. Ich gehe auf einen Hügel mit einem Kreuz, nehme mein Notizbuch mit und beginne mit Gott zu sprechen. Ich bringe ihm meine Nöte, mein Gefühlsdurcheinander, meine Scham. Und indem ich es ausspreche kommt eine Freiheit. Ich fühle mich nicht mehr erdrückt, ich atme weit. Und spüre wie Gott mein Herz füllt mit bedingungsloser Liebe, Frieden und Leichtigkeit. Ich staune. Da hat sich sich ein Weg von meinem Herz zu Gott hin geöffnet. Ich spüre ihn endlich wieder. Diese Begegnung hat es mir wieder ermöglicht, auch im Alltag bei Gott in kurzen Momenten und längeren Zeiten der Stille anzudocken. Die Spannungen um mich herum verändern sich nicht so schnell, mein Alltag bleibt derselbe, aber Gott ist da. Und ohne ihn möchte ich nicht durch meinen Alltag gehen.

Michèle Marti


Fragen zum Weiterdenken

  • Welche inneren Konflikte hast du in diesem Thema und wie gehst du mit ihnen um?
  • Wie verbringst du Zeit mit Gott, gerade wenn die Erwartungen von innen und aussen zunehmen?
  • Welche Strategien oder geschaffenen Momente halfen dir jeweils wieder bei Gott anzudocken?
  • Vielleicht hörst du Gott sehr gut und es fällt dir nicht schwer, ihn in deinen Alltag einzubinden, aber du zweifelst an deinem Impact nach aussen. Was wünschst du dir, dass Gott dir aufzeigt oder durch dein Leben tut?

Learning Community zum Blog “Keine Zeit für Gott”

Bei WE WORK unterstützen wir uns als berufstätige Mütter gegenseitig, um fokussiert durch diese anspruchsvolle Lebensphase gehen zu können. Wir verstehen unsere Berufung und das Wachsen da hinein als einen ganzheitlichen Prozess, der alle unsere Lebensbereiche umfasst. Gewisse Learnings machen wir bei einer beruflichen Weiterbildung, andere mitten in der Nacht am Kinderbett. Dafür braucht es Gleichgesinnte, die mit einem diesen Weg gehen und Vorgängerinnen, von denen man lernen kann. Deshalb treffen wir uns viermal pro Jahr online um als Gleichgesinnte voneinander zu lernen, und uns zu ermutigen, an den Themen oder Menschen, die Gott uns neben unserer Familie anvertraut hat, dran zu bleiben.

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Dienstag, 26. Januar von 20:15 – 21:45 Uhr (online)

Die Learning Community findet online statt. Der Link dazu wird nach der Anmeldung verschickt. Die Teilnahme ist kostenlos.

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Michèle, A. und Debi